Neue Bus-Systeme – Alternative für die Innenstädte?

Eine eigene Busspur, wie hier im französischen Nantes kann ein wichtiger Beitrag sein für eine bessere Mobilität in den Städten. Auch mehr Linien, komfortable Fahrzeuge, dichte Fahrplantakte, hohe Verlässlichkeit – und an sich attraktive Systeme mit „Mehrwert”: So kann der ÖPNV zur klimafreundlichen Alternative zum Autoverkehr werden. Angesichts des Ziels, bis 2030 im Verkehrssektor 40 Prozent CO2einzusparen, muss der ÖPNV dringend ausgebaut werden. Attraktive Angebote müssen nun schnell geschaffen werden. Große Potenziale dafür bietet der Bus – von der „Busbahn” als einer hoch leistungsfähigen Art Tram auf Gummirädern über Expressbuslinien bis hin zum fahrerlosen Kleinbus auf Bestellung per App. Lesen Sie rund um neue Ideen zu Bus-ysteme und ein Interview dazu mit Werner Overkamp, VDV Vizepräsident für den Bereich Bus:

Nantes zählt zu den französischen Städten, die ihren Bussen eigene, vom Autoverkehr getrennte Spuren eingerichtet haben. Im niederbayerischen Bad Birnbach verbinden fahrerlose Shuttlebusse der DB den Bahnhof mit dem rund zwei Kilometer entfernt gelegenen Ortskern. In Wolfsburg wird geplant, das VW-Werk über ein hochwertiges Busangebot – die „Alternative Grüne Route“ – an Wohngebiete und die City anzubinden.

Vorbild für einen hochwertigen ÖPNV mit Bussen sind Modelle in Frankreich. Von Lille bis Cannes, von Straßburg bis Nantes setzen bereits mehr als zwei Dutzend Großstädte auf „BHNS”, weitere stecken mitten in der Planungsphase. Hinter dem Kürzel verbirgt sich der „Bus à haut niveau de service”, am besten wohl mit „Qualitätsbus” oder „Busverkehrssystem“ beschrieben. Die französischen Kommunen haben sich konsequent und durchaus rigoros dafür entschieden, den motorisierten Individualverkehr in den Stadtzentren und auf wichtigen Verkehrsachsen zugunsten von hochleistungsfähigen Bussystemen einzuschränken – eng verzahnt mit der Stadtplanung, um Lärm-, Platz- und Luftqualitätsprobleme im innerstädtischen Verkehr zu lösen.
Aus deutscher Perspektive kaum vorstellbar: In Frankreich wurden und werden Stadtautobahnen zurückgebaut und eigene Busstraßen umgesetzt. So können attraktive Busdienste auf eigenem Fahrweg und dank Ampel-Vorrangschaltungen „mit Stadtbahnqualität“ ihr Potenzial ausspielen. Dadurch, dass der Bus ohne Stau und pünktlich ans Ziel kommt, profitieren Kunden auch von sicheren Anschlüssen. Für die Städte und Verkehrsunternehmen zahlt es sich aus, wenn ein Markenerlebnis für Fahrzeuge und Haltestellen geschaffen wird und vor allem eigene Fahrwege als System geplant werden. In Nantes sind bis zu 40 Prozent der mittlerweile über 40.000 Fahrgäste früher Auto gefahren. Das internationale Planungsmotto „Think rail, use bus and create an image“ bringt es auf den Punkt.

Ein Interview dazu mit Werner Overkamp (Foto), VDV-Vize­präsident für den Bereich Bus und Geschäftsführer der STOAG Stadtwerke Oberhausen:

Mit aufwendigen Busbahn-Systemen bieten viele französische Städte einen hochattraktiven ÖPNV und schaffen zugleich Lebensqualität ohne Auto. Wäre das nicht auch ein Rezept für die Verkehrswende in Deutschland?
» Werner Overkamp: Ein gutes Beispiel: Bei uns in Oberhausen wird dies erfolgreich betrieben. Um kurzfristig eine Verlagerung des motorisierten Individualverkehrs auf den ÖPNV zu erreichen, steht nur als Option der Ausbau des Systems Bus zur Verfügung. Für neue Trams oder S-Bahnen sind Vorlaufzeiten von mehreren Jahren nötig. Wichtig ist, dass für die Busbahnen ein Bundesprogramm aufgelegt wird, um deutschlandweit zügig mehr Schnellbussysteme in den Städten anbieten zu können.

Wenn es kein stadtbahnähnliches Bussystem geben kann: Müssen Kommunen und Verkehrsunternehmen nicht viel stärker als bislang mit Produkten wie Express- oder Schnellbussen nachfragegerechte, maßgeschneiderte Angebote für heute noch Auto fahrende Zielgruppen entwickeln – ergänzend und überlagernd zum heutigen Angebot?
» Schnell- und Expressbuslinien gibt es heute schon und werden weiter in Betrieb genommen. Wichtig ist, dass sie in Innenstadtbereichen auf separaten Busspuren verkehren und an den Lichtsignalanlagen bevorrechtigt werden. Andernfalls stellen sie keine Verbesserung für unsere Kunden dar.

Die Zukunft gehört dem E-Bus, in Deutschland zunächst weitgehend mit batterieelektrischem Antrieb. Ignoriert die Branche da nicht die Möglichkeiten von grünem Wasserstoff und Brennstoffzellen?
» Die E-Mobilität verspricht eine beeindruckende Entwicklung. Bei den Batterien wird eine deutliche Erhöhung der Energiedichte bis 2030 erwartet. Grüner Wasserstoff wird auch seinen Platz im ÖPNV finden. Wir vom VDV finden es gut, dass einige Unternehmen diese Antriebsart testen und weiterentwickeln.

Innovative Mobilitätsangebote sind bislang überwiegend auf Metropolen und Ballungsräume ausgerichtet, und da häufig auch nur auf die urbanen Zentren. Welche Ideen gibt es für die Mobilität in ländlichen Regionen?
» In ländlichen Regionen muss unser Augenmerk auf die Pendler gerichtet sein. Hier brauchen wir ein attraktives Angebot, um die Umstiege von den Schnellverkehrssystemen (SPNV) zu gewährleisten und hierbei die Zeiten zu verkürzen. Flexible Bedienungsformen sind hier gefordert, wie der On-­demand-Verkehr.

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